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Ein lohnender Abstecher zur Critical Mass Hamburg

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Foto: Malte Hübner, https://criticalmass.in/hamburg/2017-03-31/photo/21726

Gunter, sonst ein treuer Begleiter der Critical Mass Hannover, war am 30. März 2018 ausnahmsweise in Hamburg und berichtet Folgendes:

Auf Wunsch meines jüngsten Sohnes bin ich am Karfreitag auf der Critical Mass in Hamburg mitgefahren. Wir waren beide absolut begeistert! Hier wirkte zunächst wirklich schlicht die reine „Masse“. Obwohl auch auf vielspurigen Straßen grundsätzlich alle Fahrspuren in eine Richtung benutzt wurden, waren von der Mitte aus nie Ende oder Anfang des Verbandes ausmachbar. Auch die Stimmung war eine ganz andere als in Hannover. Es herrschte trotz kühlen Wetters und Karfreitag wirklich Eventstimmung. Man suchte sich einen Platz im Pulk, wo man sich miteinander unterhalten oder auch passender musikalischer Begleitung lauschen konnte. In dem kilometerlangen Zug fuhren gleich mehrere Musikboxen, aber auch eine Reihe von Sonderrädern, zahlreiche besonders beleuchtete Räder, Leute mit elektrisch angetriebenen Skateboards, lustig verkleidete Personen auf Inlinern und so weiter mit. Ein besonderes Highlight war für mich die Fahrt durch einen langen Tunnel im Zuge einer Stadtautobahn, wo die Musiksysteme voll aufgedreht wurden sowie Klingeln und Freudenrufe das passende Feeling vermittelten. Natürlich war es auch schon beeindruckend, durch die sehr unterschiedlichen Viertel von Hamburg zu radeln.

ADFC unsichtbar

Dagegen wirkt die Critical Mass in Hannover schon etwas provinziell – sorry, aber es ist so! Hamburg ist natürlich wirklich eine Großstadt mit viel Umland. Es waren auch mehrere Gruppen aus dem Umland dabei (mit entsprechenden Westen, Shirts usw.), außerdem unter anderem eine Liegeradgruppe, eine witzige „Fahrradrockergruppe“ mit „Easyridern“ sowie eine Gruppe von Radsportlern („alte Männer in Lycra“) mit ihren traumhaften Titanrädern. Auffällig war auch hier, dass der ADFC überhaupt nicht vertreten oder zumindest nicht sichtbar war.

In Hamburg wurde im Vergleich zu Hannover auch etwas schneller gefahren. Das fand ich neben der Nutzung aller Fahrspuren ohne überholende Kfz sehr angenehm. Durch die Nutzung aller Fahrspuren wurde auch deutlich, dass sich der Radverkehr hier dem Kfz-Verkehr nicht unterzuordnen hat.

Auffällig war aber, dass sich andere Verkehrsteilnehmer in Hamburg – wie nach meinen Erfahrungen wohl auch sonst üblich – deutlich aggressiver verhielten. Vielleicht lag es aber auch schlicht daran, dass der einmündende Verkehr hier aufgrund der Länge des Verbandes schon etwas länger warten musste. Immer wieder versuchten jedenfalls einzelne Autofahrer in den Pulk zu fahren, wurden dann aber sofort auch sehr deutlich „niedergemacht“.

Polizei hilfreich

Anders als in Hannover, wo sich die Polizei ohne Wahrung der Verhältnismäßigkeit und oft unter scheinheiligen Vorwänden immer wieder anmaßt, Critical-Mass-Verbände zu stoppen, empfand ich zumindest als Außenstehender das Verhalten der Polizei in Hamburg sehr angenehm. Hier bemühte sich die Polizei meiner Meinung nach, auf umsichtige Weise die Veranstaltung wirklich zu sichern. Die Polizei wartete zunächst geduldig und unauffällig am Rande der Veranstaltung, bis es mit relativ großer Verspätung losging. Während sich der Verband nach vorne natürlich richtungsoffen und damit ohne Polizei bewegte, fuhren an den Seiten etwa ein Dutzend Motorradstreifen der Polizei mit. Obwohl ich mir natürlich eher Radfahrstreifen gewünscht hätte, bemühten sich die Beamten offenkundig sehr, Rücksicht auf die Radfahrer zu nehmen, die großen Knotenpunkte zusätzlich zu den Corkern abzusichern. Sie zogen auch konsequent Autofahrer aus dem Verkehr, die den Verband gefährdet hatten. Hinten wurde der Verband von mehreren Einsatzfahrzeugen abgesichert, von denen aus dann auch Anzeigen gegen Autofahrer aufgenommen wurden – so wünscht man sich das!

Wer also vielleicht einmal den „Radfahrspirit“ einer echten Großstadt braucht, sollte auch mal in Hamburg oder Berlin mitfahren und diese Motivation zurück nach Hannover tragen – kann ich jedenfalls nur sehr empfehlen!

Am Karfreitag in Hamburg sollen übrigens „nur“ knapp 1000 Leute mitgefahren sein – wirklich eine kritische Masse! Gefühlt waren es deutlich mehr. Auch hielten die meisten Radfahrer einen größeren Abstand zueinander ein. In Hannover wird man ja immer wieder ermahnt, dicht gedrängt zusammenzubleiben. Einen ausreichenden Sicherheitsabsstand halte ich nicht nur wegen der Wirkung, sondern auch aus Sicherheitsgründen dagegen für sinnvoll.

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