Radverkehr? In Hannover unerwünscht!

schnellwegbruecke
Drängelgitter und das Schild „Radfahrer absteigen“ sollen die unsichere Radverkehrsführung über den Messeschnellweg entschärfen. (Foto: HC)

Von wegen Lust auf Fahrrad! Entgegen wohlklingenden Ankündigungen erschwert die Stadt Hannover das Radfahren entlang wichtiger Grünverbindungen systematisch. Jüngstes Beispiel: zwei steile Brücken über den Messeschnellweg. Critical-Mass-Teilnehmer Gunter hält nicht nur die Drängelgitter und die Beschilderung für völlig unakzeptabel, sondern auch die Brücken selbst:

Die Brücken über den Messeschnellweg entsprechen nicht den technischen Anforderungen an Radverkehrsanlagen. Unfallopfer könnten die Stadt also aufgrund einer Verletzung der Verkehrssicherungspflicht in Regress nehmen. Falsch ist jedoch die Konsequenz! Die Bauwerke sind den Bedürfnissen des Radverkehrs anzupassen, anstatt – wie hier ausdrücklich beabsichtigt – für den Radverkehr gesperrt zu werden. Die Kosten für die Erneuerung der Brückenbauwerke sind dem Kfz-Verkehr anzulasten. Die trennende und zerschneidende Wirkung der Schnellwege ist hier im innerörtlichen Bereich für den Radverkehr nicht akzeptabel. Es ist eigentlich nicht einmal akzeptabel, dass Radfahrer für eine Querung überhaupt solche Steigungen überwinden müssen.

Wirkungsloses Zusatzzeichen „Radfahrer absteigen“

Völlig unakzeptabel ist auch das Zusatzzeichen „Radfahrer absteigen“. Von ihm allein geht keinerlei Rechtswirkung aus. Meiner Meinung nach ist es hier nicht nur in rechtswidriger Weise angeordnet worden, sondern sogar nichtig. Auf jeden Fall verfehlt es den von der Stadt Hannover ausdrücklich benannten Schutzzweck!

Zumindest fragwürdig ist die Haltung des ADFC. Es kann nicht sein, dass Radfahrer selbst entscheiden sollen, ob die Nutzung einer Radverkehrsanlage für sie zu gefährlich ist. Es ist obliegt schlicht der Fürsorgepflicht der Behörden, stets eine sichere Nutzung der Radwege zu gewährleisten. Zur Verkehrssicherungspflicht der Stadt gibt es keine Alternative!

Im Zweifel muss der Schnellweg weg

Im Zweifelsfall gilt – wie in der Rechtsprechung üblich – das Verursacherprinzip: Nicht die Brücke muss gesperrt werden, sondern der Schnellweg muss weg! Wem das zu radikal erscheint, sollte überlegen, ob er oder sie sich nicht schon mit dem allgegenwärtigen Diktat der Lebensverhältnisse durch den Kfz-Verkehr abgefunden hat. Ich fahre übrigens selbst aus beruflichen Gründen Auto und sogar schwere Nutzfahrzeuge. Auch als Autofahrer habe ich ein Interesse an einer guten Infrastruktur für den Radverkehr, damit ich die Schnellstraßen weiter auf legale Weise nutzen kann.

Werbeanzeigen

5 Kommentare zu „Radverkehr? In Hannover unerwünscht!

  1. Nichts gelernt!
    Auch bei der gerade im Bau befindlichen Ortsumgehung Hemmingen der B3 werden Fußgängern und Radfahrer weitere Weg und zusätzliche Hügel in Form von Brücken zugemutet. Warum der Bauträger sprich das Land nicht gezwungen ist alle getrennen Radwegeverbindungen auch hinterher wieder bereizustellen, kann ich auch nicht verstehen. Daa wird auf die Kommune abgewältzt, die das nicht leisten kann.

  2. „Völlig unakzeptabel ist auch das Zusatzzeichen „Radfahrer absteigen“. …“ …nur mal so, meinen noch gelernt zu haben, daß jene weißen Schilder keine Gebotsschilder sind, sondern lediglich Empfehlungen ! ( Halt wie an Baustellen auf dem „Radweg“. Das sich daraus aber die Mitnuztung der regulären Fahrbahn ergibt, wissen ja auch ist die Motorisierten nicht. )

    Jene werden oft dort angebracht um den Verkehrsteilnehmern, wohlwissend das man keine Absteigepflicht anordnen kann, empfohlen wird zu Fuß zu gehen. Man versucht also seine eigenen Versäumnisse vermeintlich auf den Radfahrer abzuwälzen.

    1. Die Stadt hat reagiert! Die Schilder „Radfahrer absteigen“ sind weg, stattdessen ziert nun ein VZ 239 (^80 m) zumindest eine der Eilenriedebrücken. Wie kann man hier ein Foto hochladen?

      1. höhöhö, ein VZ239 im Zuge einer Fahrradroute ist der Hohn schlechthin.

        bei uns in BS konnte man das noch besser, ne Brücke aus den frühen 1950ern wies Treppen und ne Kinderwagenrampe auf, ebenfalls mit Radroutenhinweisschild davor, Absteigen wurde sozusagen erwzungen!
        Mittlerweile wird die aber erneuert und damit barrierefrei.

  3. Das Schild „Radfahrer absteigen“ strahlt für mich den Mief der 50-er-Jahre aus. In der Tat hätten die Brücken so gebaut werden können, dass sie von Radfahrern leicht überquert werden können.
    Auf einen Rückbau des Messeschnellwegs will ich gern verzichten, nicht aber auf komfortable Brücken oder Tunnel zum Über- bzw. Unterqueren größerer Straßen. Hier sehe ich einen großen Nachholbedarf. Immerhin gibt es ja schon einige Brücken und Tunnel am Messeschnellweg. Die zeigen ja, dass es bessere Möglichkeiten gibt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s