Mit Bettelampeln gegen den Radverkehr

Bettelampel-Aufkleber-Ausschnitt
Bettelampel-Aufkleber des ADFC Hamburg (Ausschnitt)

Seit ausgerechnet ein Polizeifahrzeug eine Radfahrer-Bettelampel am Aegi beschädigt hat, sind diese besonders berüchtigten Bausteine hannoverscher Verkehrspolitik mal wieder im Gespräch. Auch Critical-Mass-Teilnehmer Gunter hat eine Meinung dazu:

Ich halte die sogenannten „Bettelampeln“, die nur auf Knopfdruck Grün zeigen, für grundsätzlich unzulässig. Nach etwas überraschenden Aussagen der Stadt Hannover realisieren sie eine „Vorrangschaltung“ für den Radverkehr (hört, hört!), damit dieser also schneller Grün bekommt. Dass das so nicht stimmen kann, sieht man unter anderem am Aegi. Aber auch davon unabhängig entsprechen solche Bettelampeln überhaupt nicht den Anforderungen einer sicheren Radverkehrsführung. Sie sind weder sicher zu bedienen noch gut erreichbar, insbesondere für die Nutzer spezieller Fahrräder wie Liege- oder Lastenräder oder wenn andere Radfahrer oder Fußgänger im Weg stehen.

Bettelampeln sind ein Mittel für die Unterordnung des Radverkehrs. Radfahrer müssen ihr „Grün“ gegenüber dem Kfz-Verkehr erst einmal manuell anfordern. So etwas würde die Stadt den Autofahrern niemals zumuten und wenn doch, würde es eine Welle der Empörung auslösen. Auch für den Radverkehr haben diese Ampeln zu verschwinden! Es hilft auch nicht, sie mit einer direkten Querung des Aegi oder anderer Kreuzungen zu rechtfertigen. Die wäre ja auch ohne Bettelampel denkbar.

Gnadenlos Kfz-optimiert

Gerade der Aegi ist nicht nur aufgrund der Bettelampeln ein Symbol dafür, dass die großen Kreuzungen in Hannover gnadenlos auf möglichst großen Kfz-Durchsatz hin optimiert sind und dass für den Radverkehr nur provisorisch anmutende Alibi-Maßnahmen übrig bleiben. Wer wirklich eine Verkehrswende will, muss auch den Mut haben, den Aegi komplett zum Vorteil des Fuß- und Radverkehrs umzubauen.

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2 Gedanken zu “Mit Bettelampeln gegen den Radverkehr

  1. Am Deisterplatz ist Ende August ein Radfahrer an einer Bettelampel zu Tode gekommen, er wurde von einem PKW überfahren. Ich rufe auf zu einer Kundgebung und zur Aufstellung eines weißen Fahrrades.

    Kundgebung zur Aufstellung eines Ghostbike am Deisterplatz

    Donnerstag, den 04.10.2018, 17.30

    Nachruf

    Am 31.08.2018 ist Wolfgang Klausner aufgrund seiner schweren Verletzungen, die er infolge eines Zusammenstoßes mit einem PKW am Vortag erlitt, gestorben.
    Wolfgang war 64 Jahre alt und ein passionierter Radfahrer, der laut Aussage seiner Tochter nur mit dem Rad unterwegs war, so auch an seinem Unglückstag auf dem Weg zum Steuerberater.
    Seine Tochter hat es ausdrücklich begrüßt, dass eine Initiative an Ort und Stelle ein „weisses Fahrrad“ aufstellen will, als Mahnung und Protest gegen unmenschliche Verkehrsverhältnisse: am Deisterplatz sind es die unübersichtlichen Führungen für die Radfahrer und Fußgänger, fehlerhafte Ampelschaltungen und vor allem die hohen Geschwindigkeiten, mit denen in den Kreis hinein- und herausgefahren wird.
    Wir rufen dazu auf, an der Mahnveranstaltung am Donnerstag, den 04.10.2018 um 17.30 am Deisterplatz teilzunehmen.

  2. Es kommt darauf an, wie diese sogenannten Bedarfsampel geschaltet sind: in Holland funktionieren sie so, dass sie allen Verkehrsteilnehmern gleichzeitig Sicherheit, Gleichberechtigung und zügiges Fortkommen gewähren. Wenn der Radfahrer als erster an die Kreuzung kommt und den Knopf betätigt oder die Schleife überfahren hat, bekommt er sofort grün, oft Rundum-Grün. Der Autofahrer hat dann rot.
    Man muss solche Schaltungen öffentlich gegenüber der Stadtspitze fordern, sonst bewegt sich nichts. Wie im Fall der Ampelschaltung am Industrieweg: da wurde noch im April ein Gutachter zur Überprüfung von Möglichkeiten angesagt, seitdem ist offensichtlich Funkstille. Sowas kann man nicht hinnehmen.

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