Der vermeidbare Tod an der Vahrenwalder Straße

albtraum industrieweg

Vor einer Woche starb an der Einmündung zum Industrieweg ein Elfjähriger vor den Augen seiner Mutter unter den Rädern eines abbiegenden Lkw. Sowohl für den Lkw-Fahrer als auch für den Jungen auf dem Fahrrad hatte die Ampel offenbar Grün gezeigt. Ein Beitrag dazu von Gunter:

Es ist leider nicht der erste – und wohl auch nicht der letzte – tödliche Radverkehrsunfall an der Vahrenwalder Straße. Dass die Stadt hier trotz der zahlreichen schweren Unfälle keinen Handlungsbedarf sehen will, halte ich schlicht für untragbar, zumal der Rat der Stadt die Verwaltung ja gerade explizit aufgefordert hat, Knotenpunkte zum Beispiel durch eine Roteinfärbung der Radwegefurten oder durch eine rechtlich sowieso vorgegebene durchgehende Signalisierung – sprich einheitliche Ampelphasen – für den Radverkehr sicherer zu gestalten.

Viele Raser und hoher Lkw-Anteil

An der Vahrenwalder Straße gibt es drei grundsätzliche Problembereiche: Erstens ist es eine sehr breite und teilweise vielspurige Einfallstraße mit einem sehr hohen Verkehrsaufkommen und einem sehr hohen Lkw-Anteil. Zweitens werden sehr hohe Geschwindigkeiten gefahren und zumindest in Teilbereichen sogar über die üblichen 50 km/h hinaus vorgegeben. Dieses verleitet dazu, unangemessen schnell zu fahren. Die Strecke wird ja nicht umsonst insbesondere am Wochenende auch sogar für illegale Autorennen und das Vorführen getunter Fahrzeuge genutzt.

Drittens gibt es eine, zumindest aus Sicht der vieler Nutzer, widersprüchliche Signalisierung des abbiegenden Verkehrs. Abbiegende Kraftfahrzeuge erhalten meist eine gesonderte Grünphase, müssen aber gleichzeitig dem Radverkehr – irgendwie – Vorrang gewähren. Das ist bei solch einer Strecke mit großen und unübersichtlichen Knotenpunkten und vielen auswärtigen Lkw-Fahrern zumindest grob fahrlässig, zumal der Druck auf die Fahrer, hier zügig abzubiegen, wegen der zum Teil langen Wartezeiten bei Rot auch noch sehr hoch ist.

Katastrophale Radwege

Hinzu kommt erschwerend, dass die Radverkehrsanlagen selbst und auch deren Verlauf entlang der Vahrenwalder Straße zum Teil katastrophal sind und nicht den rechtlichen Vorgaben entsprechen. Wir benötigen hier endlich sicher gestaltete Querungen und Ampelschaltungen an den Kreuzungen. Da ist es bestimmt nicht mit einem Warnblicklicht oder einer Roteinfärbung getan. Hier brauchen wir eine Neuaufteilung der Verkehrsfläche und eine entsprechende Signalisierung, die vor allem den elementaren Sicherheitsanforderungen des Radverkehrs genügt.

Ferner sollte überlegt werden, ob man dem Radverkehr auf der bisher weitgehend alternativlosen Strecke nach Langenhagen nicht auch eine möglichst geradlinige, durchgehende und vorfahrtberechtigte Tangente zum Beispiel in Form einer Fahrradstraße oder eines Radschnellweges als Alternative anbieten könnte. Wenn Stadt und Region wirklich den Radverkehr fördern wollten, wäre eine derartige Entflechtung auch unter dem Aspekt der Verkehrssicherheit gerade hier sinnvoll. Beispiele für solche Radverkehrsanlagen, die die Randzonen ans Zentrum anschließen, kann man zum Beispiel gut in Kopenhagen besichtigen.

Die Stadt muss endlich handeln!

Ich hoffe, dass sich jetzt auch die Unfallkommission entsprechend ihrer Aufgabe wirklich für eine Sicherung des Radverkehrs einsetzt. Natürlich hat auch die Stadt hier endlich zumindest Recht und Ordnung umzusetzen. Übrigens frage ich mich, warum die Grünen nicht offiziell an Veranstaltungen wie der Mahnwache am Tag nach dem schrecklichen Unfall teilnehmen. In Städten wie Berlin tun sie es jedenfalls! Als Bürger würde mir das zumindest das Gefühl geben, eine Lobby im Rat zu haben.

Nachtrag: Die von Gunter erwähnte Mahnwache hätte ohne die Initiative der Grünen vermutlich nicht so schnell und mit einem so nachhaltigen Echo stattgefunden. Man kann im Unterschied zu Gunters Meinung den Politikern aus Stadt und Region auch gerade hoch anrechnen, dass sie das schreckliche Ereignis nicht für Parteiwerbung genutzt haben.

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5 Gedanken zu “Der vermeidbare Tod an der Vahrenwalder Straße

  1. Hallo,
    das ist eine eilige Anregung, um bis zum 17.06.18 etwas auf die Beine zu stellen:

    deutschlandweit steht MoA vor der Tür. Wir sind dabei, den Tag in Hannover zu verschlafen, da bis jetzt hier keine Gespräche für eine Organisierung geführt wurden. In Hamburg wird sicher wie alljährlich eine große Demonstration stattfinden – aus dieser Sicht sind Hamburg und Berlin die Fahrradstädte in D. Wenn die politisch unabhängige Radbewegung dort weiter Kurs hält, werden diese Städte auch von der Qualität ihrer Verkehrsanlagen her bald Spitzenränge einnehmen. Es ist ihnen zu gönnen.
    In Hannover rangieren wir unter ferner liefen. Wir sollten unsere Selbstständigkeit trotzdem zeigen, über die CM als Träger und eine Demo machen. Gruß G.

    http://www.kleiner-kalender.de/event/mobil-ohne-auto/87650.html

    1. Vielen Dank für die Anregung! Zu einer Critical Mass wurde soeben aufgerufen. Vielleicht findet sich ja trotz des kurzen Zeitraums bis dahin noch jemand, der vorher eine passende und dem Anlass gemäße Veranstaltung plant?

  2. Hallo,
    die Critical Mass am 27.04. stand im Zeichen des schweren Unfalls an der Vahrenwalder Straße in der vorigen Woche. Grausam hat er deutlich gemacht, welchen Gefahren besonders Kinder ausgesetzt sind. Ca. 130 Radfahrer haben teilgenommen.
    Zuerst sind wir zum Unfallort gefahren. Wie am Klagesmarkt habe ich ein paar erläuternde Worte gesprochen und vor allem die Verantwortung der Kommune hervorgehoben. Wir haben eine Minute des Opfers gedacht.
    Der Brief an den OB hat große Zustimmung gefunden, mittlerweile haben ihn 43 Menschen unterschrieben. Absehbar wird es eine Zahl von 50 Unterschriften, dann schicke ich den Brief ab. Wenn sich danach die Ampelschaltung nicht kurzfristig ändert, sollten wir nächste Schritte überlegen.
    Ich habe zur Bildung einer Initiative für Sicherheit aufgerufen. Die Gefahren im Straßenverkehr der Stadt sind ein wesentliches Hindernis dafür, dass Menschen auf das Fahrrad umsteigen. Ich rufe alle Interessierten und Organisationen auf, sich an der Initiative zu beteiligen. Im Mai sollte eine erste Zusammenkunft stattfinden.

  3. Bei allem Verständnis für Befindlichkeiten: es geht darum, dass in dieser Stadt Verkehrsanlagen vorhanden sind, die solche Unfälle fördern oder begünstigen. Die Verantwortlichen sind gehalten, sofort Maßnahmen zu veranlassen.
    Ich habe deshalb einen Brief an den OB aufgesetzt, dessen Inhalt durch Unterschrift unterstützt werden sollte.

    Gerd Reincke Hannover,
    27.04.2018

    Oberbürgermeister Schostok
    Neues Rathaus
    Trammplatz 2
    30159 Hannover

    Offener Brief

    Unfall an der Kreuzung Vahrenwalder Straße/Ecke Industrieweg

    Sehr geehrter Herr Schostok,
    der schwere Unfall am 18. April am Industrieweg / Ecke Vahrenwalder Straße hat großes Leid über Eltern, Angehörige, Mitschüler, Lehrer und alle, die dem Schüler nahestanden, gebracht.
    Die Betroffenheit in der Stadt, im Land und in den Medien war groß, weil ein Kind ein Opfer des Verkehrs wurde. Es war ein Albtraum, der keinen, insbesondere keinen Radfahrer und Fußgänger, der ähnliche Situationen erlebt hat, unberührt lässt.
    Der Unfall mahnt, alle Anstrengungen zu unternehmen, um solchen Unglücken vorzubeugen. Wir meinen, dass der Unfall hätte vermieden werden können: es ist grob fahrlässig, dem rechts abbiegenden Kfz-Verkehr gleichzeitig mit dem geradeaus orientierten Rad- und Fußgängerverkehr grün zu geben. Die Freigaben sind zu trennen, die Rechtsabbieger erhalten rot, wenn die Radfahrer und Fußgänger geradeaus grün haben und umgekehrt.
    Der Verweis auf die Einführung von Assistenzsystemen hilft aktuell nicht weiter, er lenkt vielmehr ab. Die Ermittlungen der Polizei und die Beratungen der Unfallkommission können zu keinem anderen Ergebnis führen. Ein Hinauszögern von Maßnahmen im beschriebenen Sinne wäre verfehlt. Täglich biegen Schwerlaster in großer Zahl an Ort und Stelle rechts ab, es besteht akuter Handlungsbedarf.
    Wir fordern weiter, dass vergleichbare Kreuzungen im Stadtgebiet auf ihr Gefahrenpotential hin untersucht werden, um Ampelschaltungen entsprechend zu korrigieren oder umzurüsten.
    Die Vision Zero kann mit Hilfe solcher Maßnahmen ein verbindliches Ziel städtischer Verkehrspolitik werden. Das ist im Interesse von allen.

    Mit freundlichen Grüßen

  4. Habe absolut Verständnis dafür, dass die Grünen-Politkerin darauf bestand, als Privat-Person an der Mahnwache teilzunehmen.

    http://www.neuepresse.de/Hannover/Meine-Stadt/Ein-weisses-Rad-zum-Gedenken-an-getoeteten-Elfjaehrigen

    Die Angehörigen lesen auch Zeitung und Internet und fragen sich wahrscheinlich, wer sind diese fremden Leute, die mein Kind doch gar nicht kennen. Worüber reden die da?

    Man sollte solche Mahnwachen besser zwei, drei Monate später abhalten. Kommen auch mehr Leute und man kann die Angehörigen dann vielleicht mit einbinden.

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